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Standard-Fallschirmsprungsystem

Die für das Fallschirmspringen aus Flugzeugen üblichen Fallschirmsprungsysteme beinhalten neben dem Hauptfallschirm noch einen Reservefallschirm. Zur normalen Öffnung des Hauptfallschirms wird ein kleiner Hilfsschirm, der in einer Tasche unterhalb des Containers steckt, im freien Fall herausgezogen und in den Fallwind geworfen. Der Hilfsschirm öffnet den Hauptschirm über eine Verbindungsleine.

Im Notfall einer Öffnungsstörung des Hauptschirms muss der versagende Hauptschirm zunächst abgetrennt werden, bevor der Reservefallschirm geöffnet wird. Bei einem Standard-Fallschirmsprungsystem befinden sich ein Griff zum Abtrennen des Hauptschirms auf der rechten Seite und ein zweiter Griff zur Auslösung der Reserve auf der linken Seite.

Besonderheiten des "Single-Operation-System" (SOS)

Henriks Handicap ist eine rechtsseitige infantile Cerebralparenthese, (ICP). Körpersymmetrie und Feinmotorik sind in der rechten Körperhälfte anders als bei Springern ohne Handicap. Während Henriks andere Körpersymmetrie am Boden z.B. beim Gehen deutlicher sichtbar ist, kann er diese in der Luft sehr gut ausgleichen und andere Springer mit einer guten Körpersymmetrie im freien Fall anfliegen. Das Zugreifen ist jedoch schwieriger mit der rechten Hand, während die linke Hand keiner Einschränkung unterliegt. Deshalb befindet sich die Auslösung für den Hauptschirm auf der linken Seite. Der Hilfsschirm zur Öffnung des Hauptschirms wird also mit der linken Hand aus der Tasche unterhalb des Containers gezogen und in den Wind geworfen.

Während das Standard-System einen Griff für das Abtrennen des Hauptschirms und einen weiteren für die Betätigung der Reserve vorsieht, verfügt Henrik über ein sog. Single-Operation-System (SOS) mit nur einem Griff auf der linken Seite. Mit diesem SOS kann im Notfall mit der linken Hand sowohl die Abtrennung eines versagenden Hauptschirms als auch die anschließende Auslösung des Reserveschirms mit demselben Griff kontrolliert nacheinander erfolgen.


Weitere Öffnungssicherheiten

Eine zusätzliche Sicherheitseinrichtung ist die sog. Reserve Static Line (RSL). Die RSL ist eine Leine, die am rechten Tragegurt des Hauptschirms befestigt ist und die Reserve auslöst, wenn der Hauptschirm durch Abtrennen wegfliegt. Die RSL ist bei Standardfallschirmsprungsystemen optional und bei Schülersprungsystemen Pflicht.

Und schließlich ist das sog. Automatic Activation Device (AAD) zur Absicherung gedacht. Das ist ein computergesteuertes Sicherheitssystem, welches den Reservefallschirm auslöst, falls der Springer im freien Fall zu gar nichts mehr in der Lage sein sollte. Ein solches AAD gehört mittlerweile zur Standardausrüstung eines jeden Fallschirmsprungsystems und wird selbstverständlich auch von Henrik und Martin verwendet. Die Einführung der computergestützten AAD's hat in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Sicherheit beigetragen, so dass Fallschirmspringen heute keine Extrem- bzw. Risikosportart mehr ist. Natürlich ist Fallschirmspringen auch heute mit Risiken verbunden. Die in der Luftfahrt üblichen hohen Sicherheitsstandards in Technik, Ausbildung und Sprungbetrieb müssen daher kontinuierlich eingehalten und Notfallprozedere laufend trainiert werden.

Allerdings ist nicht jede Behinderung zum Fallschirmspringen geeignet. Vielmehr muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob die Technik trotz körperlicher Einschränkung sicher bedient und ggf. auf die spezifische Behinderung angepasst werden kann.

Foto von Joachim Priedemann

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